Das Miteinander statt Gegeneinander stets im Blick

VON ALEXANDER VOGT - Remszeitung


SCHWÄBISCH GMÜND. Seit den 1960er- Jahren ist er Mitglied der SG Bettringen, von 1999 bis 2013 hat er die SGB als Vorsitzender angeführt. Zudem gehörte er von 2002 bis 2023 der Vorstandschaft des Stadtverbands Sport Schwäbisch Gmünd an. Der neue Sportpionier Erich Kümmel hat sich über viele Jahrzehnte hinweg in vielfältiger Weise für den Sport in Gmünd, insbesondere aber für den Sport bei der SG Bettringen eingesetzt.

Jährlich ehrt der Stadtverband Sport eine herausragende Persönlichkeit, die sich um den Sport in Gmünd in einem besonderen Maße verdient gemacht hat, zum Sportpionier. Dies ist heuer der am 12. November 1949 geborene Erich Kümmel.

Oberbürgermeister Richard Arnold gehörte zu den ersten Gratulanten: „Jetzt sind Sie ein Mitglied im Olymp des Gmünder Sports.“ Die Frage, warum der Sport in Gmünd nach wie vor erstklassig sei, hänge entscheidend mit solchen Persönlichkeiten wie Erich Kümmel zusammen. „Unsere herausragenden Sportvereine sind auf solche Menschen und ein solches ehrenamtliches Engagement angewiesen“, so Arnold.

Seit mehr als 60 Jahren ist Kümmel Mitglied der SG Bettringen. Seine ersten Berührungspunkte mit dem Sport hatte er als Turner. „Schnell merkte Erich, dass er ganz gerne mit dem Ball hantiert und gut damit umgehen kann“, blickte Ralf Wiedemann in seiner Laudatio zurück. Als logische Konsequenz sei Kümmel zum Handball gewechselt – „natürlich als Torwart, denn für den Rückraum fehlten ein paar Zentimeter“, sagte der Vorsitzende des Stadtverbands Sport schmunzelnd. Nach seiner aktiven Zeit engagierte er sich als Jugendtrainer und coachte die Frauen I der SGB. Bis heute trainiert der 76-Jährige die dortigen Handball-Senioren.

Das Turnen habe er nie verlernt, was Kümmel 2010 beim 125-jährigen Jubiläum der SG Bettringen bewies. „Er stahl selbst Reck-Weltmeister Eberhard Gienger im Rahmen des ‘Dreifachen Bettringers’ am Reck die Show. Für seinen Abgang mit Unterschwung, halber Drehung und weiteren turnerischen Elementen erhielt Erich viel Applaus“, so Wiedemann.

Seine jahrzehntelange ehrenamtliche Tätigkeit startete für Kümmel, als er bei SGB 1983 das Amt des Schriftführers übernahm. Den 1996 zum Sportpionier gekürten Alfons „Fonse“ Krieg löste Kümmel 1999 als Vorsitzender der SG Bettringen ab, um dieses Amt 14 Jahre lang bis 2013 auszuüben. „Er schafft es immer, die Menschen in seinem Umfeld mitzunehmen, zu begeistern. Er lässt die notwendigen Freiräume und zollt allen Respekt und Anerkennung. Egal, in welcher Art und Weise sie sich engagieren“, betonte Wiedemann Kümmels Erfolgsrezept als Sport-Funktionär. Er habe es mit seiner unnachahmlichen Art geschafft, der Präsident für alle Vereinsmitglieder zu sein.

„Für Erich war nicht die einzelne Abteilung wichtig, sondern immer das Ganze: seine SGB.“ Bei seinem Ausscheiden als Vorsitzender wurde Kümmel zum Ehrenvorsitzenden der SG Bettringen ernannt – sein Rat werde in der Vorstandschaft bis heute gerne gehört.

Weil sein Organisationstalent und sein Blick über den Tellerrand des Vereins und Sports dem Stadtverband Sport nicht verborgen blieb, wurde er im Juni 2002 als Beisitzer in die Vorstandschaft gewählt. Ab 2012 fungierte er bis zu seinem Ausscheiden aus dem Stadtverband Sport im Herbst 2023 als stellvertretender Vorsitzender Sport. Kümmel war mit 21 Jahren das dienstälteste Vorstandsmitglied. „Er zählt zu den Spitzenreitern in der Historie der Vorstandsmitglieder des Stadtverbands – gleich lange wie der verstorbene Ehrenvorsitzende Edelbert Krieg“, sprach Wiedemann von einer „unglaublichen Leistung“.

Kümmels Haupttätigkeiten beim Stadtverband waren die Sportförderung, Zuschüsse sowie die Neukonzeption der Stadtsportlehrer. Bei der Sportförderung war er Wiedemann zufolge der „absolute Profi“ des Stadtverbands. „Mit seiner Akribie wollte Erich immer nur eines erreichen, was seinem Naturell entspricht: er will immer gerecht sein.“ Er habe alles dafür getan, dass alle Beteiligten so gut wie möglich vom vorhandenen Geld profitieren. Seine Erfahrung und Kenntnis des Sports machten ihn bei der Neukonzeption der Stadtsportlehrer zu einem wichtigen Faktor. Mit seiner vermittelnden, aber auch beharrlichen Art sei er maßgeblich am Erfolg der Konzeption beteiligt gewesen. Im Stadtverband Sport engagierte sich Kümmel laut Wiedemann als absoluter Teamplayer. „Du warst immer da, wenn man Dich gebraucht hat.“

Es gab bei ihm aber auch einen kleinen Makel – bei Antworten auf an ihn gerichtete Fragen: „Seine Ausführungen waren immer lange und ausführlich – ähnlich wie bei einem Referat. Vermutlich berufsbedingt als Lehrer“, sagte Wiedemann mit einem Schmunzeln im Gesicht. Kümmel war von 1993 bis zu seiner Pensionierung im August 2014 Konrektor der Uhlandschule Bettringen. Für den Stadtverbandsvorsitzenden war Kümmel nicht „nur“ ein Stellvertreter, sondern ein väterlicher Freund und Berater in Sachen Sport.

In privater Hinsicht gab es für Erich Kümmel die größten Highlights, als er seine Frau Gerlinde im April 1974 geheiratet hat und als die gemeinsamen Söhne Christoph und Florian geboren worden sind. Er habe eine beeindruckende Unterstützung von seiner Familie und hauptsächlich von seiner Frau erhalten. Ralf Wiedemann: „Wer seine Passion Ehrenamt und Sport so ausüben will wie ein Erich Kümmel, der braucht eine Familie und ganz besonders eine Frau, die diese Begeisterung und Arbeit mitträgt und von ganderzem Herzen unterstützt.“

Den Sport als verlässlichen, fairen und kreativen Partner zu vertreten und eine hohe Akzeptanz für den Sport zu entwickeln – dies sei für den Sportpionier des Jahres 2025 stets im Vordergrund gestanden. „Dabei hatte er immer die Menschen und das Allgemeinwohl im Blick, immer das Miteinander statt das Gegeneinander. Eine Herangehensweise, die meines Erachtens aktuell wichtiger ist denn je“, sagte Wiedemann am Ende der Laudatio. Und: „Du hast in Deinem ganzen Tun über Themen und Projekte nachgedacht und diese auch entwickelt und umgesetzt. Ohne diese Arbeit wäre die sportliche Entwicklung Deiner SGB, aber auch die des Sports in Gmünd insgesamt nicht auf dem heutigen Niveau.“ Damit habe es sich Erich Kümmel wirklich verdient, in den edlen Kreis der Sportpioniere der Stadt Schwäbisch Gmünd aufzusteigen – als Anerkennung und Dank für seine geleistete Arbeit.

„Wer sonst, wenn nicht Du hätte diese Auszeichnung verdient gehabt“, meinte Hannes Barth. Der Vorsitzende der SG Bettringen bezeichnete Erich Kümmel als einen Glücksfall für den Verein, als eine tragende Säule der SGB. Erich Kümmel selbst widersprach Ralf Wiedemann, der ihn als einen waschechten Gmünder beschrieben hatte. „Da lege ich Wert drauf: Ich bin ein Bettringer. Und noch wichtiger: Ein Oberbettringer.“ Kümmel habe während seiner 40-jährigen ehrenamtlichen Tätigkeit nie darauf gedrängt, ein Amt zu übernehmen. „Ich habe nur nicht schnell genug Nein gesagt, als ich gefragt wurde.“ Durch das Ehrenamt habe er viele Freundschaften geknüpft und sich persönlich weiterentwickelt. Er könne es jedem nur empfehlen, sich ehrenamtlich zu engagieren, und bedankte sich bei seiner Familie und seiner Frau für die Unterstützung.

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