Von Alexander Vogt/Remszeitung Schwäbisch Gmünd
Das Foto ist von Eduard Kessler
SCHWÄBISCH GMÜND. Traditionell geht der Vorsitzende des Stadtverbands Sport bei der Sportpionierehrung auf die aktuelle Situation im Gmünder Sport ein. Ralf Wiedemann blickt auf die sportlichen Erfolge des vergangenen Jahres zurück. „Einige meiner letztjährigen Wünsche sind von unseren Gmünder Sportlern top umgesetzt worden“, freut sich Wiedemann beispielsweise über Platz drei der Kunstturner des TV Wetzgau, den Oberliga-Aufstieg der Handballer des TSB Gmünd oder den Deutschen U-20-Meistertitel von Kugelstoßer Eric Maihöfer (LG Staufen). National wie international seien einige bemerkenswerte Erfolge herausgesprungen. So auch das bereits fünfte WM-Gold von Skispringerin Carina Vogt.
Bei der Remstalgartenschau habe man den Gmünder Sport positiv darstellen können und bei einigen Veranstaltungen wie dem Remstal-Marathon mit dem Gmünder Sieger Kai Krause mitgewirkt. Mit dem Degenfelder Schanzenlauf habe es 2019 eine neue Veranstaltung im Gmünder Sportkalender gegeben. „Das zeigt einmal mehr, wie groß die Bandbreite und die sportlichen Angebote in Schwäbisch Gmünd sind. Was sicher nur sehr wenige Städte dieser Größe bieten können.“
Wiedemann erinnerte aber auch an sehr traurige Momente im Vorjahr. Innerhalb von nur zehn Tagen seien mit Hartmut Meis, Manfred Klotzbücher und Edelbert Krieg drei Sportpioniere gestorben. Letzterer war Ehrenvorsitzender des Stadtverbands Sport. „Kein Sportfunktionär hat in den vergangenen Jahrzehnten den Sport in Gmünd mehr verändert, gefördert und unterstützt als Edelbert“, würdigt Wiedemann noch einmal Kriegs Verdienste.
Neue Stadtsportlehrer-Stelle wird zunächst auf zwei Jahre befristet
Seinen Ausblick auf dieses Jahr beginnt Wiedemann mit den Stadtsportlehrern. „Das wird 2020 ein großes Thema sein und viel Zeit in Anspruch nehmen.“ Er spricht vom derzeit noch vakanten Posten des dritten Stadtsportlehrers neben Lutz Dombrowski (Leichtathletik) und Patrick Engel (Schwimmen). Der Stadtverband Sport ist bekanntlich auf der Suche nach einem Nachfolger für Paul Schneider. „Wir werden einen dritten Stadtsportlehrer befristet auf zwei Jahre wieder anstellen. Die Auswahl muss noch getroffen werden“, erklärt Wiedemann, der auf eine zeitnahe Umsetzung aus ist und deshalb demnächst Vorstellungsgespräche mit möglichen Kandidaten führen möchte.
Die Frage, ob der neue Stadtsportlehrer wie Schneider hauptsächlich den Bereich Turnen abdecken soll, beantwortet Wiedemann wie folgt: „Vor 30 Jahren hat man die Stadtsportlehrer installiert, um Kinder in Bewegung zu bringen. Dieser Ursprungsgedanke, die Grundlagenausbildung und die Bewegung zu fördern, wird ein Hauptaugenmerk für uns sein.“ Dazu gehöre auch die Betreuung von Kindern und Jugendlichen, die sich Richtung Leistungssport orientieren. Es gehe dabei aber nicht nur ums Turnen: „Man muss es ganzheitlich sehen. Alle Sportarten sollen davon profitieren“, stellt der Vorsitzende des Stadtverbands Sport klar.
Einen Kandidaten für den dritten Stadtsportlehrerposten gibt es bereits, dessen Namen Ralf Wiedemann aber noch nicht preisgeben möchte. Es ist aber ein offenes Geheimnis, dass es sich dabei um Kunstturner Helge Liebrich vom TV Wetzgau handelt. Mit ihm wird es wohl auch das erste Vorstellungsgespräch geben. Starten soll der neue Stadtsportlehrer dann spätestens im März. Ralf Wiedemann: „Da besteht jetzt Handlungsbedarf, um Lutz Dombrowski und Patrick Engel wieder zu entlasten und dass alle Tätigkeitsbereiche und das Lehrvolumen der Stadtsportlehrer personell abgesichert sind.“
Mehr Mittel für die Jugendförderung
Ein weiteres Thema seien die überarbeiteten Sportförderrichtlinien – insbesondere die Jugendförderung. Hierfür hatte Wiedemann im vergangenen Jahr mehr Unterstützung von der Stadt Schwäbisch Gmünd gefordert: „Die Jugendförderung muss auch in Zeiten knapper Kassen dringend erhöht werden“, lautete sein Appell. Inzwischen gibt es von der Stadt positive Signale, dafür für die Zukunft deutlich mehr Geld in den Haushalt einbringen zu wollen.
Die Jugendförderung soll laut Wiedemann künftig nicht mehr nach dem Gieskannenprinzip erfolgen. „Das zusätzliche Geld wollen wir dann gezielt einsetzen. Wir wollen künftig Vereine, die viel in die Jugend-, aber insbesondere in die Übungsleiter- und Trainerarbeit investieren, stärker unterstützen.“
Die Mitgliedsvereine des Stadtverbands Sport sollen weiterhin gefördert, aber auch gefordert werden. Ralf Wiedemann wünscht sich nach wie vor mehr Rückmeldungen aus den Vereinen. „Die bisherige Resonanz, auch beim Trainernetzwerk, ist mir persönlich noch zu wenig. Da muss noch mehr kommen, das wollen wir fordern.“ Aber auch der Stadtverband Sport werde sich hinterfragen, was im Austausch mit den Vereinen und bei der Unterstützung der Sportvereine noch besser gemacht werden kann. „Wie wir es besser machen können, dass die Vereine noch mehr auf uns zukommen“, so Wiedemann.
Sportbürgermeister Joachim Bläse, Gerold Bläse (FC Bargau), Klaus Arnholdt und Frank Wendel (Amt für Bildung und Sport) und er hätten gerade mit dem Trainernetzwerk und den dazugehörigen Veranstaltungen im vergangenen Jahr schon viel Gutes auf den Weg gebracht. Allerdings habe das Interesse der Vereine beispielsweise an der „Road-Show“ doch sehr zu wünschen übrig gelassen. „Das ist schon enttäuschend, wenn zwei von vier Veranstaltungen mangels Masse abgesagt werden müssen.“ Das größte Problem sieht er im Kommunikationsfluss innerhalb der Vereine.
Die Vereine könnten einerseits nicht fordern, man solle sie bei der Übungsleiter- und Trainergewinnung unterstützen. „Und andererseits tun sie aber wenig dafür, dass es besser wird. Oder informieren sich nicht, wie es besser werden kann“, mahnt Wiedemann. Deshalb werde man im Rahmen der Jugendförderung eben künftig gezielt Vereine unterstützen, die sich diesem Thema und seiner Umsetzung annehmen. So kommt Ralf Wiedemann zu folgendem Schluss: „Der engagierte Verein soll belohnt werden.“ Entsprechende Förderkriterien werde der Stadtverband Sport noch festlegen. „Deswegen muss aber kein Verein zum Profiverein mutieren“, so Wiedemann.
Luft nach oben sieht er auch bei der Beantragung von Zuschüssen beim Stadtverband oder der Aktion „Gmünder Profisportler fördern den Gmünder Sport“: „Nur ganz wenige Vereine stellen überhaupt Anträge“, beklagt Wiedemann. Die Hürden seien niedrig, die einzelnen Vereine sollten lieber einen Antrag zu viel als zu wenig stellen. Aber: „Der Verein muss selbst aktiv werden.“
Nach wie vor Sorgenfalten wegen der Infrastruktur im Bereich Sport
Als „nicht optimal“ bezeichnete Ralf Wiedemann im Vorjahr die Infrastruktur im Bereich Sport. Ein Jahr später habe sich nicht so viel verändert, weshalb „zu meinen bereits vorhandenen Falten noch ein paar Sorgenfalten dazukommen“. Positiv bewertet er die umfangreiche Sanierung der Großsporthalle. „Das wird wieder eine tolle Halle, wo sich Sportler und Fans wohlfühlen können“, ist Wiedemann überzeugt. Sehr positiv sei für den Sport in Gmünd die Tatsache, „dass der neue Kunstrasenplatz im Laichle zusammen mit dem neuen Sportvereinszentrum des TSB Gmünd kommen wird“.
Ansonsten sei der Sanierungsstau bei vielen in die Jahre gekommenen Sporthallen und Sportanlagen nach wie vor groß. Wiedemann weiß jedoch auch, dass der Stadt aufgrund leerer Kassen zwangsläufig die Hände gebunden sind. „Salopp gesagt kann man eben einem nackten Mann nicht in die Tasche langen. Deswegen sind unsere Forderungen auch darauf beschränkt, dass wenigstens die Substanz erhalten bleiben muss und so nach und nach verbessert wird.“ Für die Verbesserung und den Erhalt der sportlichen Infrastruktur müssten alle an einem Strang ziehen. „Dabei sind Stadt, Stadtverband, Verein und auch die Wirtschaft gefordert – sonst geht es nicht“, schwebt Wiedemann ein gemeinsamer Schulterschluss vor. Seine Vision von einem Sportpark auf der grünen Wiese bleibe jedenfalls bestehen.
Thema Hallenbad: Gedanken machen über alternative Lösungswege
Deutlich wird Wiedemann beim Thema Hallenbad-Neubau. „Da sieht es schlecht aus. Nach den Aussagen der Stadtverwaltung wird es mittelfristig kein neues Hallenbad geben. Diese Aussage ist umso enttäuschender, weil man uns vom Sport während der Planung wirklich große Hoffnungen gemacht hat.“ Nicht optimal war laut Wiedemann zuletzt die Kommunikation zwischen der Stadt und dem Sport. „Ich hatte im vergangenen Jahr die Stadtverwaltung und die Stadträte aufgefordert, sich Gedanken über mögliche Lösungswege zu machen, wenn sich ein Neubau nicht realisieren lässt. Aber bis heute kam aus dieser Richtung leider gar nichts“, kritisiert Ralf Wiedemann den gegenwärtigen Stillstand.
Er drängt darauf, sich über alternative Lösungswege Gedanken zu machen. Der Schwimmverein Gmünd und der Stadtverband stehen Wiedemann zufolge bei der Planung von Alternativen in einem engen Austausch. Zu der möglichen Lösung einer Traglufthalle über dem Sportbecken im Bud-Spencer-Bad müssten jetzt Daten und Zahlen geprüft werden. „Dann wird man sehen, inwieweit sich diese Pläne letztendlich realisieren lassen. Aber in jedem Fall fordere ich von der Stadtverwaltung, dass sie alternativen Lösungswegen offen gegenüber steht und uns dabei tatkräftig unterstützt.“
Trotz seiner Kritik an die Adresse der Stadtverwaltung in manchen Bereichen spricht Ralf Wiedemann insgesamt von einer sehr guten Zusammenarbeit zwischen dem Stadtverband Sport, der Stadt Schwäbisch Gmünd und insbesondere dem Amt für Bildung und Sport. Denn: „Nur gemeinsam können wir den Sport auch in Zukunft voranbringen.“
Für dieses Jahr wünscht sich der Vorsitzende des Stadtverbands Sport, „dass der Gmünder Sport insgesamt ähnlich erfolgreich ist wie im vergangenen Jahr.“